Substanz

18.05.2016

karlkaktus

Bildmontage zur Verfügung gestellt von Karl Kaktus

Seit heute liegt das neue „Substanz“ auf. Mehr Informationen dazu gibt’s HIER. Das aktuelle Bildungsmagazin behandelt Begriff und Tätigkeiten von Partizipation. So berichtet es unter anderem von Jugendpartizipation in acht europäischen Städten und vom Partizipationsprozess im Quartier rund um die Fachhochschule. Auch wir haben einen Beitrag verfasst (siehe unten). Ausserdem trifft man bei genauer Lektüre auf Seite 24 auf unseren guten alten Freund Karl Kaktus. Leider wurde nicht das gesamte Interview mit ihm abgedruckt. Die ungekürzte Version kann deshalb hier nachgelesen werden:

MUL: Im letzten Jahr hast Du mit der „Aktion Kaktus – pflanz Dich frei“ Studierende, Dozierende und Mitarbeitende der FHS aufgerufen, den Betonvorplatz des Fachhochschulzentrums mit mitgebrachten Pflanzen zu begrünen. Was hat Dich dazu motiviert?

KAK: Es sind natürliche Reflexe, die einen Kaktus in tristen, lebensfeindlichen und öden Umgebungen veranlassen, Wurzeln zu schlagen. Beim Anblick des grauen Betonvorplatzes erkannte ich sofort: Hier bin ich Kaktus, hier darf ich sein. Wohl wissend, dass mein Aufenthalt von kurzer Dauer sein wird, da es eine von Menschen geschaffene Wüste ist. Da hilft meine natürliche Standhaftigkeit wenig: Wassermangel und Hitze kann ich trotzen, nicht aber den städtischen Reinigungsequipen. Nebst diesen Reflexen flüsterten mir dort ansässige Flechten zu, dass sie schon verschiedenste Unterhaltungen mitgehört hätten: Dieser Ort sei unwirtschaftlich genutzt, es fehle an sozialer Durchmischung, er sei gesundheitsschädigend, zu grau etc. Aus diesen zwei Strängen heraus hat sich diese Aktion schliesslich ergeben. Meine Motivation lag darin, diesen Stimmen eine Möglichkeit zu geben, sichtbar zu werden. Das Ergebnis ist das Werk der Menschen die sich dadurch wahrgenommen fühlten. Bei all diesen möchte ich mich an dieser Stelle erneut bedanken.

 

Kurz nach der „Aktion Kaktus“ hat die Stadt St.Gallen ein Urban-Gardening-Projekt lanciert und den Platz mit einem Gemüse-Hochbeet bereichert. Eine weitere Begrünung ist geplant. Eure Aktion hat also Wirkung gezeigt, oder wie siehst Du das?

Der Platz ist grau. Unsere Aktion war spontan und illegal. Das Urban-Gardening-Projekt hatte eine lange Vorlaufzeit und kam von offizieller Seite. Einerseits findet eine Aktion von „unten“ statt, die das Grau verändern will. Andererseits ein Projekt von „oben“, bei dem in der Stadt Standorte für zeitlich begrenzte Hochbeete gesucht und gefunden wurden – unter anderen auf diesem Platz. Von zwei Seiten wurden konkrete Handlungen unternommen, um diesen Platz zu gestalten. Eine zufriedenstellende Wirkung liegt dann vor, wenn der Platz nicht mehr grau ist – wenn alle die den Platz nutzen in den Veränderungsprozess eingebunden sind.

 

Seither ist es um Karl Kaktus ruhiger geworden. Warum?

Durch diese Aktion erhielt ich in St. Gallen eine gewisse mediale Öffentlichkeit. So schnell wie die gekommen ist, ist sie auch wieder verschwunden. Meine Themen sind geblieben. Bis vor kurzem war ich in der Antarktis an einem Kongress von Pinguinen. Dort nahm ich an einer öffentlichen Diskussion zum Thema „Südpol 2070 – Die grosse Verwandlung: Neue Modelle gestalten“ teil. Beeindruckend war insbesondere die Selbstverständlichkeit, mit der alle Anwesenden – es waren hauptsächlich Pinguine – an der Diskussion teilgenommen haben. Für die Art und Weise wie die Mitsprache hier ausgestaltet ist, konnten sie sich nicht wirklich erwärmen. Jetzt bin ich wieder zurück in der Ostschweiz und offen für neue Aktionen. Es kommt der Frühling und das ist eine gute Zeit für Aktionen. Ich ermutige auf diesem Weg alle Lesenden, sich mit entsprechenden Ideen bei mir zu melden (aktionkaktus@gmail.com).

 

Wie beurteilst Du die Partizipationsmöglichkeiten von Studierenden an der FHS St.Gallen?

Die Partizipationsmöglichkeiten sind grundsätzlich gegeben. Soviel ich weiss gehört das zu den gesetzlichen Vorgaben. Wie ich im Zuge der Aktion Kaktus erfahren habe, ist es schwierig, diese als Studierende auf eine Weise zu nutzen, damit es zu Veränderungen von unten kommt.

 

Was müsste sich noch verbessern?

Im besten Fall ist Partizipation eine Selbstverständlichkeit, im schlechtesten Fall ein Modewort. Verbesserung kann es nur geben, wenn gemeinsam über die jeweiligen Motive hinter den verschiedenen Positionen gesprochen wird. Bei der Partizipation geht es wie bei vielen anderen (grossen) Themen schlussendlich um das Gemeinsame. Die Teilnahme am Gemeinsamen geschieht bei den Pinguinen aus einer Selbstverständlichkeit die nicht hinterfragt wird. Ihr Menschen jedoch müsst immer wieder daran arbeiten, damit die Mitsprache nicht zu einem Modewort verkommt. Bei dieser Arbeit unterstütze ich euch gerne.

 

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