Flüchtlinge willkommen!

01.10.2015

refugees

Sanft wogt ein schmuckes Transparent, von frühherbstlichen Winden getragen, an den stattlichen Bildungsgemäuern der Fachhochschule St. Gallen. Seit heute ziert ein Tuch mit imposant bemalten Lettern das Bahnhof Nord’sche Prunkstück. Wenngleich die Idee naheliegt, dass es sich hierbei um eine verspielte behördliche Aufwertung des viel diskutierten Areals rund um den Bahnhof handelt, kann der Spruch „refugees welcome“ kaum dem Zufall entsprungen sein. So scheint die Aussage „willkommen Flüchtlinge“ gemeinhin an Akzeptanz zu gewinnen. Zu lesen, zu hören ist er oft. In den Medien, an Hauswänden, am Fachhochschulzentrum. Sicherlich, Solidarität, eine Wilkommenheissung zu bekunden, mit jenen, die auf der Flucht sind und einen fremden Ort aufsuchen, ist ein wesentlicher und wertvoller Bestandteil, um Menschlichkeit, Offenheit und Akzeptanz auszudrücken und zu unterstreichen. Doch, was, wenn „refugees welcome“ nur die Hochqualifizierten, die Netten, die Integrierbaren, die Grossen, die Dünnen, die Höflichen oder die Weissen meint?

So erfreulich die Spendenaktionen, die medialen Aufrufe zu finanzieller Unterstützung und freundlichen Empfänge bei der Ankunft der Flüchtlinge auch sind, so zynisch kontrovers gestalten sich die Verhältnisse mit Blick auf die politischen und strukturellen Realitäten. Willkommen geheissen werden dürfen nicht ausschliesslich jene, die einen ökonomischen Mehrwert für die Wirtschaft darstellen sollen oder machtherrschaftlichen und politischen Maximen folgen. Solange Menschen, die geflüchtet sind von den Behörden und der Justiz kriminalisiert werden, solange Menschen hohe Mauern überwinden müssen, solange der Tod politisch bewusst in Kauf genommen wird, solange haftet der Proklamation eines Staates die Menschenrechte umzusetzen, ein Hohn an.

Studierende des Fachbereichs Soziale Arbeit an der FHS St.Gallen wollen dem entgegentreten, Position beziehen und sich politisch stark machen für eine Ausgestaltung des Asylwesens, welche den Flüchtlingen Möglichkeiten und Räume bietet, mit Menschenwürde und Selbstbestimmung einen zukunftsfähigen Weg einschlagen zu dürfen. Denn „refugees welcome“ soll alle meinen. Wir fordern Studierende, Dozierende und Mitarbeitende der FHS St. Gallen auf, Stellung für Humanität und gegen Diskriminierung zu beziehen und vehement gegen die politische Untätigkeit zu stehen.

Gezeichnet, SOSA